Rezension: Das Dorf der Steine
- Angelique Auzuret

- 5. Jan. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Lawrence Schimel, Lena Studer: Das Dorf der Steine. Aus dem Spanischen von Eva Roth. Zürich: Atlantis Verlag 2024.
erinnert sich gerne an ihren Lieblingsonkel,mit dem sie gerne im Park spazieren gegangen ist. Sonjas Onkel lebt nicht mehr und dennoch kann sie ihm auf dem Friedhof nah sein. Dabei entdeckt sie nach und nach auch die Geschichten der anderen Verstorbenen mit der Hilfe ihrer Hände und den Erzählungen von Gärtner Martin. Ein vielschichtiges und farbenfrohes Bilderbuch über den Umgang mit dem Tod, dem Friedhof als Ort des Erinnerns und dem Erleben eines blinden Mädchens.
Sonja geht regelmäßig zum Friedhof, um ihren Onkel Fred zu besuchen. Dabei trifft sie auf den Gärtner Martin, mit dessen Hilfe sie nach und nach lernt, die Schrift auf den Grabsteinen zu entziffern. Denn Sonja ist blind und die alphabetische Schrift ihr noch fremd. So ist der Friedhof nicht nur ein schöner Ort des Erinnerns, sondern eröffnet Sonja, die als Schulkind bereits die Blindenschrift kennt, einen neuen Zugang zu Buchstaben. In kurzen Texten und bunten Illustrationen folgen die Betrachtenden Sonjas Weg zum Friedhof und in die Erinnerungen an ihren Onkel.
Die Buntstiftechnik und die detaillierten doppelseitigen Zeichnungen zeigen den Friedhof als einen farbenfrohen Ort, auf dem es viel zu entdecken gibt. Die detaillierten Zeichnungen eignen sich sehr gut für eine ausführliche gemeinsame Betrachtung und geben Raum, um über diesen besonderen Ort mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Der Text, der aus der Sicht eines blinden Mädchens geschrieben ist, eröffnet eine zusätzliche Dimension, da Sonja nur fühlen kann, was die Betrachtenden sehen. Bild und Text erzählen komplementär, wobei die großformatigen Bilder die Rahmenhandlung erzählen, während die kurzen Text diese mit Details anreichern, etwa mit kleinen Dialogen zwischen dem Gärtner Martin und Sonja. Die Illustrationen sind dabei beinahe surrealistisch, spielen mit Größen und Proportionen und Bildmetaphern, etwa, wenn der Gärtner das Mädchen Sonja in die Buchstaben der Grabsteine hebt.
Das Buch eröffnet ein breites Themenrepertoire, welches den Umgang mit dem Tod, das Kennenlernen des Friedhofs als Trauerort, die Wahrnehmung und das Erleben eines blinden Menschen erzählt und so auch bei der wiederholten Bilderbuchbetrachtung genügend Erzählstoff bietet. Mit seinen vielschichtigen und kleinteiligen Illustrationen lädt das Buch zu einer Neubetrachtung des Friedhofs ein, die durch das Erleben des blinden Mädchens zusätzlich verstärkt wird, und ist deshalb sehr zu empfehlen. Es eignet sich sehr gut für eine gemeinsame Bilderbuchbetrachtung, vorrangig mit Kindern im Vorschul- und Erstlesealter.


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